Jahresbericht 2025
Januar
Januar stand ganz im Zeichen von Spannung und Entspannung, d.h. das Stromnetz musste auf dem Hof dokumentiert werden, der Verteilerkasten für die neue Halle wurde bestückt und die Ladestationen für die Elektrofahrzeuge festgelegt. Entspannt wurde dann abends in der Bauernstube beim Cegospiel und gemütlichen Beisammensein. Dem Wochenmarkt gehörte nun wieder unsere Aufmerksamkeit, unser Marktangebot wurde wieder bereitgestellt. — Der Alltag: 2x-Stallarbeit, Futter verteilen, ausmisten… Die Getreidereinigung läuft ganztäglich, das Getreide wird von Benedikt mit dem LKW nach Orsingen gefahren und das Mehl anschließend zur Bäckerei gebracht. Die Wintertagung unserer Demeter-Bauern findet in Lembach statt, wir liefern das Fleisch für das gute Mittagessen. Referent ist diesmal Martin Ott aus der Schweiz.
Bauer Max feiert Geburtstag, die Verwandtschaft wird verpflegt und das Neueste macht die
Runde.
Schwarzer Emmer kommt herein zum Reinigen, zu Weihnachten wird ein hübsches Sternlein kreiert. Der Senior widmet sich mit Vorliebe dem elektrischen Bereich des Hofes –Kabel verlegen, Stecker und Dosen installieren und Lampen aufhängen.
Februar
Erster Mist wird auf die Weide ausgefahren, die Laufställe von Grund auf ausgemistet. Bullenkälber von einem anderen Biohof werden begutachtet und die Abstammung gibt dann den Ausschlag für den Kauf. Mitte Februar gibt es Schnee, die Märkte rufen, Katharina und Max bewerkstelligen diese Arbeit gerne, entsprechend ist der Umgang mit der Kundschaft erfolgreich. — Der Kompost wird schon ausgebracht und der ein oder andere Acker gepflügt. Die Hühner brauchen eine Grundreinigung und werden umgelagert. Ende Februar kommt die Todesnachricht von Klaus Wais, der den Getreidemarkt der Demeterbetriebe vorbildlich organisierte. Ein großer Verlust, wir sind voller Mitgefühl für seine Familie. — Der Teleskoplader braucht neue Reifen und es muss geschlachtet werden. — Fasnachtsumzüge stehen auf dem Plan, man freut und amüsiert sich, auch unsere Kinderschar mischt kräftig mit.
März
Der Aschermittwoch naht und die Alltagsarbeit macht sich nicht von selbst, Max schält mit Vorliebe Holzstangen, die für die Weidezäune gebraucht werden. Der neue Bulle trifft ein, neues Blut braucht die Kuhherde. — Die Weiden werden mit dem Kompost vereggt, Gülle ausgefahren und die Laufställe ausgemistet. Nebenbei wartet der Müller auf die Kornlieferung. — Die EG Kontrolle steht an, dies nimmt einen ganzen Tag in Anspruch. — Die Traktoren müssen zum TÜV, ein gewisser Glanz sollten sie auch noch haben…… Die Obstbäume werden geschnitten und das Gehölz versorgt. Die Saison beginnt und wir werden dem Spruch gerecht: Kauf guten Samen, das ist schon ein Amen.
April
Abwechselnd kommt das Getreide zur Mühle und das Mehl dann anschließend zur Bäckerei in Bräunlingen. Der Dinkel im Spelz wird ständig frisch gegerbt, gereinigt für die Vollkornbäckerei. Kleie als kostbares Überbleibsel verwenden wir und geht auch an andere Biobauern. Der Urlaub am Bauernhof nimmt Fahrt auf, das Haus ist voll bis unters Dach. Die Gäste interessieren sich für unsere bio-dynamische Arbeit, und Max präpariert mit ihnen den Misthaufen. — Mitte April an einem günstigen Tag für den Weideauftrieb stürmt die Kuhherde auf die Weide. Zudem wird das Getreide gestriegelt, doch während der Kartage lassen wir die Erde ruhen. Es ist wieder Zeit für die Gehgesundheit der Tiere zu sorgen, der Klauenschneider kommt. — Die Pferde von Katharina bekommen Zuwachs von außen, Rita eine Norikerstute……. Die ersten Praktikantinnen treffen ein, ein schwieriges Thema beginnt. — Katharina nimmt die Zufahrt und den Vorplatz des Pferdestalles ins Visier, und gestaltet die Fläche, indem sie mit Hilfe von außen das langjährige Steinplasterlager zu einem ansehnlichen Platz umgestaltet.
Mai
Fleißige Helfer treffen ein, Thierry, Egbert und Baucke sind wieder, wie zuhause. Das Stromaggregat wird endlich fertiggestellt und angeschlossen. In der Halle fehlt noch Licht, auch diese Hürde nehmen unsere Bauern. Mitte Mai wird es ernst, der Heuet beginnt. — Aus dem Schwarzwald bekommen wir den langersehnten Bienenschwarm. Danach Regen…… Zeit den Elektroverteiler anzuschließen. — Abwechslung bringt ein Besuch beim Bio-Großhändler Rinklin, alle sind begeistert. Jetzt ist es Zeit, die Rinder zu den Jungviehweiden zu bringen, die Koordinierung findet im Büro statt, doch die Zäune dafür herzurichten ist viel Arbeit, auch die Disteln auf den Kälberweiden werden ausgestochen.
Juni
Regen….. Der Werkstatt-Boden wird endlich betoniert. Zu unserer Freude wird das Wetter besser, mähen, wenden und die Heuballen pressen sind sie täglichen Arbeiten und alle Mann im Einsatz. Ein Hoffest bei herrlichem Wetter zieht viele Besucher an, ein heiterer Tag auch für uns.
Juli
Das Hochregallager in der neuen Werkstatt wird eingebaut, der Kreiselheuer kommt als erster in den Genuss zur Reparatur. Heu und Öhmd gleichzeitig einzuholen verlangt uns einiges ab. Nun ist es höchste Zeit, den Hornkiesel wieder auszubringen. — Ende Jule wird der Rohbau der neuen Bäckerei Schmid in Löffingen begutachtet und bestaunt.
August
Marktpause! Die Getreideernte steht — Max sein Oldtimer Deutz-Fahr wird fahrbereit gemacht, der Senior auf dem roten, der Junior auf dem grünen leistungsstärkeren Drescher. Beide halten durch…… Für den Bäckerbruder Schmid wird zur Freude aller ein Video gedreht. Thierry ist wieder zur Stelle und fährt die Kostbarkeiten mit dem LKW zum Hof. Wir sind dankbar ab so einer wunderbaren Hilfe. — Das Wetter macht mit, so ist es möglich, das anfallende Stroh kurzfristig einzuholen. Julian muss nach den Kälbern auf den Weiden schauen, auch der Wasserbedarf für die Tiere muss gewährleistet sein. — Wieder gibt es kleinere Reparaturen.
September
Das erste Marktwochenende steht an. Der Pflug ist angehängt, die Feriengäste wollen mitfahren. — Viel Regen, das Gras wächst gut, die Kühe und die Bauern sind zufrieden. Julian, unser Landwirt nimmt sich Zeit, aufzuräumen. Danach wird er den ersten E-Traktor von der ZG zur Probe ausfahren. Simon schaut, dass genügend Getreide zur Bäckerei kommt, d.h. auch Säcke schleppen. Gegen Ende September wird das Wetter besser, nun gilt es die letzten Futterballen hereinzuholen. Die Maiermühle in Orsingen wird vom Demeter-Arbeitskreis besucht, die Besichtigung ist für alle Beteiligten sehr bereichernd. Nach und nach kehren die Rinder aus den Ferien zurück. — Michaeli ist ein Fixpunkt auf dem Demeterhof.
Oktober
Der Pflug wird angehängt, das Saatgut gesäubert und ausgesät. Auch Erntedank und Kilbig gehört zum Jahresablauf. — Das letzte Gras kann geholt werden, Getreide zur Mühle, Mehl zum Bäcker.
November
Die Arbeitskreismitglieder treffen sich zu den letzten Steiner-Lesungen. Ein gebrauchter LKW mit stärkerer Leistung fährt ein, der jetzt auch die Engener Höhe schafft. Die Vorbereitung für den Umzug der Bäckerei von Bräunlingen nach Löffingen ist intensiv, gute Arbeitskräfte und Handwerker mit Sachverstand geben sich die Hand. Die Getreidesilos werden aufgehängt und die Förderschnecke installiert, so dass ein Teil des Umzugs gewährleistet war. Freude und Stolz bei all den Machern.
Dezember
Die ersten Teige werden angesetzt und an Nikolaus zusammen geschmaust — zum teilweisen Umzug. — Die Vorbereitung zur Weihnachtswelt steht an, seit 20 Jahren sind wir präsent. Katharina als Organisatorin ist gefragt und führt die 4 Tage im fürstlichen Marstall zum Erfolg. — Unser Hofladen wird von Kerstin bestens betreut. Derzeit bietet sie wieder hübsche Dinge für das ganze Jahr an, Obst und Gemüse aus dem Kühlregal, sowie alles für den täglichen Bedarf, alles in Bio-Qualität.
Den schmucken kleinen Laden setzt sie liebevoll in Szene, man spürt beim Eintritt ihre Handschrift — herzliche Einladung!
Zu guter Letzt, möchten wir uns bei unserer Bürokraft, Charlotte Oschwald bedanken — Kraft in dem Sinne, daß sie für alle Arbeiten offen ist und entsprechend humorvoll und wagemutig agiert.
WEIHNACHTEN HÄLT DIE ZEIT ZUSAMMEN
Wir wünschen unserer Kundschaft, Freunden, Bekannten und Gönnern, ein gesegnetes
Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2026
Ihre Familien Bogenschützen
Hildegard Scheiters-Nguyen
Das gemischte Jesuskind
Es war am ersten Weihnachtstag vor einigen Jahren. In unserer Kirche am Rande der Stadt hatten sich wie jedes Jahr viele Menschen versammelt, um den Weihnachtsgottesdienst mitzufeiern. Wie an den anderen Sonntagen waren auch heute wieder zahlreiche Ausländer erschienen, die in der Umgebung wohnten und zu unserer Gemeinde gehörten.
Weihnachtliche Stimmung machte sich breit. Weihrauch, hellerleuchtete Tannenbäume, die Krippe, die vertrauten Weihnachtslieder.
Zu Beginn der Predigt — als die eine Hälfte der Gemeinde den Worten unseres Pfarrers lauschte, die andere Hälfte die weihnachtlich geschmückte Kirche betrachtete — kam Unruhe in den ersten Reihen auf. Die Leute in den hinteren Bänken reckten die Hälse. Es hatte offensichtlich mit der Krippe zu tun, die im Seitenschiff aufgebaut war.
Ganz allmählich drang das Ungeheuerliche von den vorderen Bänken zu mir nach hinten. «Es ist eine Schande!» flüsterte mein Nachbar zur Linken. «Da haben sich wieder einige Chaoten einen dummen Scherz erlaubt. Nicht einmal die Krippe ist ihnen heilig!» schimpfte meine Nachbarin zur Rechten leise.
Es war sehr unruhig in der Kirche. Einzig der Pfarrer predigte ungerührt weiter, runzelte nur ärgerlich die Stirn. Er stieß bei seinen Weihnachtspredigten normalerweise auf mehr Aufmerksamkeit. Er erzählte von den vielen Menschen, die gerade jetzt an Weihnachten einsam und auf unsere Hilfe angewiesen seien. Wir sollten auch an die denken, die Weihnachten fern der Heimat in der Fremde verbrachten. «Sie sind alle unsere Brüder in Christus», schloß er. «Er war für jeden da, ob schwarz oder gelb oder weiß.»
Kaum war der letzte Ton des Schlußliedes verklungen, als die Menschen zur Krippe drängten. Ich war unter den Ersten, und da sah ich es: In der Krippe lag tatsächlich ein schwarzes Jesuskind!
« Ja, das gibt’s doch nicht!»
«Wer hat sich denn da einen Scherz erlaubt?»
«Früher hätte es so was nicht gegeben!»
Die Empörung war groß. Eines der Kinder, die vorne in der ersten Reihe standen, nahm die schwarze Puppe aus der Krippe.
«Warum machst du das?» fragte da ein kleiner schwarzer Junge, der bislang still in einer Ecke gestanden hatte. «Bei uns zu Hause ist das Jesuskind schwarz.»
«So ’n Quatsch!» meinte ein blonder Junge. «Jesus kann nicht schwarz gewesen sein.»
«Warum denn nicht?»
«Weil er eben weiß ist.»
«Bei uns zu Hause ist er schwarz», wiederholte der kleine Junge.
«Von mir aus kann er bei dir zu Hause schwarz sein», mischte sich da ein Mann ein. «Aber hier bist du nicht zu Hause. Und hier ist Jesus immer weiß gewesen. Los, wo hast du die Krippenfigur versteckt? Gib sie her! Du kannst ihn doch nicht einfach austauschen.»
«Genau!» sagte meine Nachbarin. «Sieh mal, Kind. Ihr seid hier in unserer Kirche herzlich willkommen, aber ihr müßt euch schon an unsere Bräuche halten. Und ein schwarzer Jesus, das geht nun wirklich nicht.»
«Eben!» Der Mann nahm dem schwarzen Jungen die weiße Krippenfigur aus der Hand und legte sie zurück in die Krippe. «Da, nimm deine schwarze Puppe wieder. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder seinen eigenen Jesus in die Krippe legte.»
Nachdem die Ordnung auf diese Weise wiederhergestellt war, machten sich alle auf den Heimweg. «Frohe Weihnachten!»
Ich kehrte auf halbem Wege um, weil ich meine Handtasche in der Bank vergessen hatte. Die Kirche war nun leer, nur bei der Krippe stand noch der schwarze Junge mit dem schwarzen Jesus in der Hand. Vor ihm der weiße Junge, der den weißen Jesus in der Krippe verteidigte.
«Schade», meinte der schwarze Junge. «Ich fand ihn so schön da in der Krippe. Wie bei uns zu Hause, Du hast doch Maria und Josef und die Hirten. Alle sind weiß. Keiner ist wie ich.»
Der weiße Junge drehte sich um und betrachtete die Krippe nachdenklich. «Warte mal», sagte er dann und lief zur Kirchtür, wo die Zeitschriften lagen. Er kam mit einem schwarzen Filzstift zurück. Er nahm das Jesuskind aus der Krippe und malte die blonden Locken schwarz an. Dann überlegte er kurz und färbte auch die blauen Augen schwarz. «Weiße Haut, schwarze Haare und schwarze Augen. Wie gefällt es dir jetzt?»
Der schwarze Junge nahm das Jesuskind in die Hand und strich mit dem Finger über die schwarzen Locken. «Ein gemischtes Jesuskind!» meinte er zufrieden. «Für jeden etwas.»
Dann legte er es zurück in die Krippe.
Seitdem liegt bei uns an jedem Weihnachtsfest in der Krippe das gemischte Jesuskind — für jeden etwas.